Warum mein Humidor einen Bogen um Havannas macht

Veröffentlicht am 10. Mai 2026 um 11:00

In der Welt der Zigarren gilt die kubanische oft als das Nonplusultra – das heilige Gral-Erlebnis aus Tabak.

Doch wer meinen Humidor öffnet, wird feststellen: Kuba ist dort zur Seltenheit geworden.
Das ist keine Entscheidung gegen den Geschmack, denn das typische "kubanische Aroma" ist wunderbar. Es ist vielmehr eine Entscheidung für die Nerven und die Qualitätssicherung.
Dabei geht es mir nicht nur um die drastisch gestiegenen Preise der letzten Jahre.

Es geht um ein haariges oder besser gesagt pelziges Problem: Schimmel.


Warum blüht es ausgerechnet bei Kuba?

Während die Zigarren aus Nicaragua, der DomRep oder Honduras über Jahre hinweg stabil lagern, scheinen kubanische eine magnetische Anziehungskraft auf Schimmelsporen zu haben. Zumindest meine Exemplare.
Viele schieben das auf die eigene Lagerung, doch wenn bei identischen Bedingungen (69% relative Luftfeuchtigkeit) die Nicaragua-Zigarre makellos bleibt und die Monte Cristo daneben weiße Punkte ansetzt, liegt der Fehler nicht im Humidor.

Die "Eilige Ernte": Zu frisch für den Export?

In der Theorie sollten Zigarren nach dem Rollen eine längere Ruhephase in sogenannten Reifekammern verbringen. Hier verliert die Zigarre überschüssige Feuchtigkeit aus dem Rollprozess und die Tabake harmonisieren.
Aufgrund der massiven Nachfrage und dem Druck, Geld ins Land zu bringen, scheint dieser Prozess in Kuba oft verkürzt zu werden. Die Zigarren verlassen die Insel "box-fresh", aber oft mit einer zu hohen Restfeuchte im Kern.

Wenn eine Zigarre bereits mit einer hohen internen Feuchtigkeit verpackt wird und dann in einem Container um die halbe Welt reist, entsteht ein Mikroklima, das ideal für Pilzkulturen ist.

Trockener lagern als das Lehrbuch sagt?

Wer nicht auf den Geschmack von Kuba verzichten will, sollte umdenken. Das klassische Dogma der 70/70-Regel (70° Fahrenheit und 70 % Luftfeuchtigkeit) ist für moderne Kubaner oft das Todesurteil.
Viele Raucher lagern ihre Kubaner inzwischen separat bei nur 62% bis 65% relativer Feuchtigkeit. Dies reduziert das Schimmelrisiko und verbessert den oft schwierigen Zugwiderstand.

Akklimatisierung

Eine frisch gekaufte Kiste aus Kuba sollte man eigentlich erst einmal "offen" atmen lassen, bevor sie in den hermetisch dichten Humidor wandert.

Es ist nicht nur der Preis, es ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Preise sind explodiert.
Wenn ich für eine einzelne Zigarre 30, 50 oder 100 Euro bezahle, erwarte ich Perfektion.
Wenn diese Zigarre dann aber schlecht zieht, Deckblattfehler aufweist, oder eben nach drei Monaten im Humidor Schimmel ansetzt, dann stimmt die Rechnung einfach nicht mehr.

Bei Herstellern aus Nicaragua bekomme ich für einen Bruchteil des Preises eine Qualitätskontrolle, die ihresgleichen sucht. Jede Zigarre wird dort einzeln auf den Zugwiderstand geprüft, ein Standard, von dem Kuba aktuell weit entfernt scheint.

Eine Hassliebe mit Pause

Ich rauche seltener kubanisch, weil ich keine Lust auf das Glücksspiel habe.
Eine Zigarre soll Entspannung sein, kein botanisches Experiment über Schimmelwachstum.
Solange die Qualitätssicherung und die Reifezeit in den Fabriken von Havanna dem Profitstreben untergeordnet werden, bleiben meine "Schätze" eher in Zentralamerika beheimatet.

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